Krankenschwestern aus Thailand?

Südostasiens Gesundheitssysteme unterscheiden sich nicht nur in der Qualität der Leistung und der Kosten, sondern auch grundsätzlich in ihrer Organisation. Ein Aspekt dieser Organisation ist die Ausbildung und Zulassung des medizinischen Personals. Im Dienstleistungsgewerbe Gesundheitsversorgung ist die Personalwirtschaft wohl der entscheidende Faktor im Wettbewerb der Anbieter.

Während einer ungezwungenen Konferenz mit den Leitern einer Spezialklinik in Singapur kam heute auch dieses Thema zur Sprache. So beklagten sich die drei Herren über den akuten Mangel an Fachpersonal in Singapur. Obwohl Singapur viel liberaler bei der Anstellung medizinischen Personals aus dem Ausland als die meisten anderen Länder Südostasiens – von Europa mal ganz zu schweigen – ist, fehlt es immer noch an Ärzten und vor allem an Pflegepersonal.

Singapur ist Südostasiens erste Anlaufstelle für frischgebackene Mediziner aus Indien. Sie finden dort relativ leicht Arbeits- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Obwohl der Stadtstaat den Ärzten grundsätzlich ermöglicht, sich dauerhaft niederzulassen, benutzen viele Singapur als Sprungbrett in den Westen.

Nicht anders verhält es sich im Falle des Pflegepersonals. Singapurs Krankenschwestern kommen zu einem großen Teil aus anderen südostasiatischen Staaten wie den Philippinen oder Malaysia – thailändische Krankenschwestern sind eine Rarität in Singapur. „Junge Frauen in Singapur wollen Flugbegleiterinnen werden oder im Hotelgewerbe arbeiten“, so ein der Manager der Klinik. An Pflegeberufen finden nur wenige Gefallen. Haben sich die Krankenschwestern allerdings ein ausreichendes Niveau an Englischkenntnissen angeeignet, verlassen viele von ihnen Singapur, um in Großbritannien, den USA, Kanada oder Australien zu arbeiten. Dies sei die Kehrseite der globalisierten Welt, meint der Manager; und empfiehlt mit Augenzwinkern, das Pflegepersonal deshalb beim Erwerb von Englischkenntnissen nicht zu unterstützen.

Thailand hingegen legt die Latte für medizinisches Personal aus dem Ausland fast unerreichbar hoch. Mangels staatlicher Zulassung gehen die meisten ausländischen Mediziner im Königreich nicht ihrer eigentlichen Profession nach, sondern arbeiten etwa im Management, der Verwaltung oder im Kundendienst.
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