Motivation der Medizintouristen
Touristen aus aller Herren Länder strömen in Krankenhäuser und Spezialkliniken in Asien, Nordafrika sowie Mittel- und Südamerika, um sich unter das Messer von Chirurgen zu legen, konventionelle Therapie in Anspruch zu nehmen, die Falten weglasern zu lassen oder die Probleme ihres Gebiss zu beseitigen. Die Klassifizierung der Medizintouristen sollte anhand der Motivation für die Behandlung erfolgen.
Fehlende Leistungsdeckung durch öffentliche oder private Krankenversicherungen
Das wesentlichste Unterscheidungsmerkmal hinsichtlich der Motivation der Medizintouristen ist die medizinische Indikation, also die Notwendigkeit der Behandlung und damit in etwa das Spiegelbild der Kassenleistung der europäischen Versicherungssysteme. Europäer suchen im Ausland in der Regel nach kostengünstigen kosmetischen Behandlungen wie Schönheitschirurgie, kosmetischer Dermatologie oder zahnmedizinischen Leistungen, da diese üblicherweise nicht vom Versicherer getragen werden und deren Kosten in (West)Europa um ein Vielfaches höher liegen als in Fernost. Besteht eine medizinische Notwendigkeit, – und somit idR. eine Deckung der Kosten durch den öffentlichen Versicherer – so wird sich ein Kontinentaleuropäer kaum für die Behandlung ins ferne Ausland begeben.
Erschwerter Zugang zur medizinischen Versorgung
Das Vereinigte Königreich bildet nicht nur in diesem Aspekt eine Insel für sich. Im Laufe der letzten Jahre veranlasste das Wartelistensystem des britischen National Health Service (NHS) tausende Patienten zu einer Behandlung im Ausland. Die chronische Unterfinanzierung des NHS und der Fachärztemangel bieten ausländischen Krankenhäusern, Ärzten und Medizintourismusagenturen ein nicht zu unterschätzendes Potenzial an Kunden.
Während der NHS in Großbritannien jedem zumindest eine Grundversorgung garantiert, haben etwa 40 Millionen US-Amerikaner weder eine öffentliche noch private Krankenversicherung. Da die Behandlungskosten in den USA mit zu den höchsten der Welt zählen, ist eine Behandlung im Ausland für viele Amerikaner daher immer öfter der einzige Weg, um sich einen Eingriff überhaupt leisten zu können.
Mangelhafte Qualität der medizinischen Einrichtungen
Kranke in Entwicklungs- und Schwellenländer sehen sich häufig gezwungen, ihre Behandlung im Ausland vornehmen zu lassen, da die Qualität der medizinischen Versorgung im Herkunftsland entweder generell stark zu wünschen übrig lässt oder Fachärzte, moderne Ausstattung und Hygienestandards schlichtweg fehlen. Dabei ist die Behandlung im Ausland ausschließlich begüterten Patienten vorbehalten. Nachgefragt werden vor allem Behandlungen der Disziplinen Orthopädie, Onkologie, Neurologie und Kardiologie. Für Südostasiens Gesundheitsversorger sind die wichtigsten Quellmärkte etwa Bangladesh, Kambodscha, Burma, Nepal aber auch afrikanische Staaten, arabische Staaten und Russland sowie die GUS-Staaten. Asiens Krankenhäuser und Kliniken sehen sich auf diesem Markt mit zunehmender Konkurrenz durch mitteleuropäische Spitäler konfrontiert, da bei einer nicht geringen Zahl dieser potenziellen Kunden Geld absolut keine Rolle spielt.
Kostenminimierung und Renditeoptimierung der Versicherungsgesellschaften
Was früher aufgrund mangelnder Qualitätsstandards ein absolutes Tabuthema war, scheint sich nun zu dem wirtschaftlich interessantesten Segment des Medizintourismus zu entwickeln. Vor allem amerikanische und arabische Versicherungsgesellschaften beginnen, Verträge mit Krankenhäusern und Spezialkliniken in Billiglohnländern abzuschließen. Öffentliche und private Versicherungen sehen in der Behandlung ihrer Klienten im Ausland einen Weg, ihre Kosten zu reduzieren bzw. die Rendite zu erhöhen. Dies eröffnet den Anbietern ein ungeheures Marktpotenzial, dem gegenüber man alle bisherigen Entwicklungen getrost als Pionierzeit des Medizintourismus bezeichnen kann.
Folgend eine grafische Übersicht der Beweggründe für eine Behandlung im Ausland:

Soweit erstmal zu den Beweggründen für eine Behandlung im Ausland. Selbstverständlich ist die grundsätzliche Motivation jeder medizinischen Behandlung im Ausland die Kostenersparnis. Wichtig ist jedoch, zu unterscheiden für wen diese eintritt. Für kosmetische Behandlungen ist diese Frage einfach zu beantworten. Bei medizinisch indizierten Eingriffen führt die verlockende Kostenreduktion zu einer bewusst betriebenen oder zumindest geduldeten Flucht aus der Verantwortung seitens öffentlicher und privater Versicherer sowie dem Staat selbst (zb. UK).
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