Perspektiven für Südthailand
Trotz des tiefen Misstrauens zwischen den staatlichen Organen und der malaiischen Bevölkerung im Süden Thailands, glaubt das dort tätige medizinische Personal, dass zumindest für sie ein Weg der friedlichen Koexistenz bereits gefunden wurde. Ärzte der Gemeindespitäler in den südlichen Provinzen Thailands vernetzen nun ihre Erkenntnisse über die Entwicklung friedlicher Möglichkeiten des Zusammenlebens zwischen Buddhisten und Muslimen in der krisengebeutelten Region.Dr. Supat Hasuwankit, Direktor des Chana Hospital in Songkhla, hofft auf einen dauerhaften Frieden im Süden Thailands, wo nach offiziellen Angaben mehr als 2.700 Menschen seit Januar 2004 gewaltsam ums Leben kamen. Er bestätigt zwar, dass es vereinzelt auch zu Anschlägen auf Gemeindespitäler kam, doch kann er ausschließen, dass es sich dabei um eine gezielte Strategie der Rebellen handelt. Auch das Chana Hospital selbst genieße trotz allem Immunität. Doch warum kommt es kaum zu Attentaten auf Gemeindekrankenhäuser im Süden Thailands, während Schulen und andere öffentliche Institutionen häufig das Ziel von Anschlägen werden?
Dr. Supat recherchierte mit der Unterstützung zahlreicher Kollegen in einem Jahr die Verhältnisse in den öffentlichen Kliniken der südlichen Provinzen. An den Erkenntnissen seiner Studie lässt er nun seine Kollegen und interessierte Beamte in Buchform teilhaben.
Experteninterviews sollen medizinischen Fachkräften im Süden Thailands Lösungswege für eine friedliche Koexistenz durch praktische Beispiele veranschaulichen. So meint etwa Dr. Zungifli Yusoh, Direktor des Mai Kaen Hospital in der Provinz Pattani, dass das Spital weder durch Sicherheitskräfte, noch durch eine schwer überwindbare Absperrung gesichert sei. Vielmehr sei das Krankenhaus „durch die Liebe und das Vertrauen der örtlichen Bevölkerung geschützt“. Dr. Zungifli arbeitet seit seinem Abschluss an der Prince of Songkhla University im Mai Kaen Hospital. Seine 15-jährige Tätigkeit wird von der Bevölkerung höchst respektiert. „Ich mag jeden hier und die Leute sehen das Krankenhaus als Teil ihrer Gemeinschaft und unterstützen es“, sagt Zungifli.
Dr. Rozali Pattayabut, Direktor des Raman Hospital in der Provinz Yala, verlangt von allen Angestellten seiner Klinik Verständnis der lokalen Kultur und Kenntnisse der malaiischen Sprache. „Ich bin stolz, dass die Bevölkerung sich bei uns behandeln lässt anstatt sich wie zuvor im Provinzspital behandeln zu lassen“, sagt er und fügt hinzu: „Wir sind kundenorientiert und respektieren die lokale Kultur.“ Laut Rozali bevorzugen bei einer Geburt moslemische Frauen Hebammen statt Ärzte. Er findet es kontraproduktiv, gegen diese Tradition anzukämpfen und liess seine Mitarbeiter Kontakt zu den Hebammen der Gemeinde suchen sowie medizinische Ausrüstung für diese bereitstellen. „Falls etwas bei der Geburt nicht in Ordnung sein sollte, so überstellen die Hebammen die Patientin bereitwillig ins Krankenhaus“, so Rozali. Dennoch warnt er die Gemeindespitäler davor, sich aufgrund der bisherigen Immunität in Sicherheit zu wiegen.
Ein anderes Beispiel ist das Bannang Sata Hospital in der „Roten Zone“ der Provinz Yala. Das Krankenhaus soll künftig durch einen Stacheldrahtverschlag, Flutlichtanlagen und ein System von Überwachungskameras vor Anschlägen geschützt werden.
Nach einem Artikel in The Nation.
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