Patientenklagen verursachen Medizinerkrise
Der Engpass an Ärzten in staatlichen Spitälern steuert auf eine kritische Phase zu, da viele Mediziner aufgrund der Angst vor Klagen durch Patienten kündigen. Laut dem Präsidenten des Medical Councils Dr. Somsak promovieren zwar 1.200 neue Ärzte pro Jahr, die Krankenhäuser verzeichnen allerdings einen jährlichen Abgang von etwa 800 Medizinern. Und dies trifft vor allem die staatlichen Spitäler.Viele Ärzte entscheiden sich für ein Privatspital oder wechseln ihre Karriere. Die staatlichen Krankenhäuser leiden unter Überlastung. „Wir erreichen einen kritischen Punkt“, sagt Dr. Somsak, der über die sinkende Zahl der Ärzte pro Kopf der Bevölkerung besorgt ist. Auch die Zahl der Medizinstudenten sinkt. Einige Universitäten öffnen die Inskriptionsschalter daher dreimal jährlich, um die Auslastung des Studienbetriebs zu gewährleisten.
Dr. Somsak schätzt, dass etwa die Hälfte der abgehenden Ärzte die Profession wechselt, nicht wenige gehen in den Verkauf. Einige wiederum nehmen ein neues Studium auf, um eine neue Karriere zu beginnen. Besorgniserregend ist vor allem die Situation der Provinzspitäler. Wegen Überarbeitung und schlechter Bezahlung der Ärzte traf das Patong Hospital in Phuket eine wahre Kündigungswelle, die zum Abgang fast aller Mediziner führte.
Laut Medical Council steigt seit 2004 die Zahl des Abgangs von Ärzten. 468 Ärzte kündigten 2004. 2005 waren es bereits 663 und 2006 verließen 777 Mediziner thailändische Spitäler. 2007 erreichte der Abgang von Ärzten den bisherigen Rekordwert von 785.
Um der sinkenden Zahl von Ärzten zu begegnen, organisierte das Medical Council Konferenzen in 20 Provinzen. Im Zuge des letzten Treffen dieser Reihe in Khon Kaen widmeten sich Mediziner und Juristen vor allem der Frage von drohenden Klagen, falls Ärzte den Behandlungserfolg beim Patienten verfehlen. „Die Ärzte sind besorgt, ob sie Patienten mit ernster Erkrankung heilen können. Manchmal entscheiden sie, den Patient an einen Kollegen zu überweisen, nur um einer drohenden Klage vorzubeugen. Solches Verhalten verzögert allerdings eine Behandlung“, sagt Dr. Somsak.
Das Medical Council arbeitet an Lösungen, um mehr Auszubildende für ein Medizinstudium zu begeistern. Auch soll nun bereits im Studienplan eine Betonung des Arzt-Patienten-Verhältnisses verankert werden.
Nach Angaben des thailändischen Gesundheitsministeriums praktizieren derzeit landesweit 32.000 Ärzte. Nur 8.300 (26%) davon arbeiten in staatlichen Krankenhäusern. Im Schnitt muss sich ein im öffentlichen Dienst stehender Arzt um etwa 5.000 Patienten kümmern.
Quelle: Bangkok Post, 19. Oktober 2008
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