Haftstrafe für Ärztin widerrufen

Das Berufungsgericht hat jüngst die Haftstrafe gegen Dr. Suthiporn Kraimak, eine Landärztin aus Nakhon Si Thammarat, aufgehoben. Dr. Suthiporn wurde im Dezember 2007 vom Thung Song Strafgericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt nachdem ihre Patientin Somkuan Kaewkongchan 2002 während einer Appendektomie (Blinddarmentfernung) aufgrund einer Überdosis des Anästhetikums verstorben war.

Dr. Suthiporns Strafe begründete den ersten Fall, in dem ein Mediziner wegen eines Kunstfehlers zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Das Urteil erregte großes Aufsehen unter thailändischen Ärzten. Viele kündigten an, künftig nicht mehr in ländlichen Krankenhäusern zu operieren sondern die Patienten an größere Spitäler zu überweisen, um damit drohenden Kunstfehlerprozessen vorzubeugen.

Das Vorgehen der Behörden verdeutlicht die Brisanz des Falles: im Januar 2008 legte das Gesundheitsministerium Berufung gegen das Urteil des Thung Song Strafgerichts ein. Gleichzeitig übermittelte Sirimas Kaewkongchan, die Tochter des Opfers, eine eidesstattliche Erklärung, den Fall nicht weiter strafrechtlich verfolgen zu lassen.

Dr. Prat Boonyawongwirote, ein hoher Beamter des Gesundheitsministeriums, begrüßte die Revision des Urteils gegen Dr. Suthiporn: „Der Spruch hat die Moral der Landärzte, die an Überlastung durch eine Überzahl an Patienten leiden, enorm gehoben. Das Urteil wird außerdem als Standard für eine professionelle und ethische Arbeitsweise gelten. Der Mangel an Anästhesisten, Spezialisten und notwendigem medizinischen Gerät setzt Landärzte unter einen hohen Arbeitsdruck, der zu Fehlern und damit verbundenen rechtlichen Schritten führen kann.“

Fr. Sirimas zeigt sich zufrieden mit dem Urteil: „Ich wollte nicht, dass die Ärztin dafür ins Gefängnis gehen muss. Alles was ich wollte war eine Entschuldigung der verantwortlichen Mediziner des Spitals für den Unfall.“ Sie strebt allerdings weiterhin ein Zivilprozessverfahren gegen das Gesundheitsministerium an, da ihre Mutter an einem Kunstfehler verstarb. Die Streitsumme beläuft sich auf 2,08 Millionen Baht. Der Fall liegt nun beim Obersten Gerichtshof.

Quelle: Bangkok Post, 12. September 2008
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