Infertilität – Infertility
Infertilität definiert sich allgemein durch eine einjährige Periode mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne Empfängnis. Bereits einer der folgenden Faktoren reduziert die Definition auf sechs Monate:
- Frauen älter als 35 Jahre
- Anamnese an schmerzhaften Perioden (Dysmenorrhea), irreguläre Perioden
- Frauen mit einer Anamnese an Entzündungen im Beckenbereich, chronischen Beckenschmerzen
- Frauen die mehrere Aborte (üblicherweise drei oder mehr) hatten, die nicht zwingend hintereinander stattgefunden haben müssen. Die meisten Ärzte empfehlen Untersuchung und entsprechende Behandlung für Paare mit zwei aufeinanderfolgenden, spontanen Fehlgeburten. Dies gilt besonders in Kombination mit einem der folgenden Faktoren:
-Unfruchtbare Paare -Partnerin älter als 35 -Karyotype normal nach früherer Fehlgeburt -Nachgewiesene Herzaktivität des Fötus im Uterus vor der Fehlgeburt
- Paare, bei denen der männliche Partner über wenig Spermien verfügt. Etwa auf Grund von Chromosomenabnormität (Klinefelter-Syndrom, 47,XXY) oder Leistenbruch.
Normalerweise haben 85-90% gesunder Paare eine Empfängnis im ersten Jahr und 93% innerhalb der ersten zwei Jahre. Die Fortschritte im Feld der künstlichen Befruchtung machen es möglich, dass nun auch eine Mehrheit unter den unfruchtbaren Paaren ihre Träume eines Familienlebens verwirklichen können.
Ursachen für Unfruchtbarkeit
Infertilität kann das Resultat einer Reihe von gesundheitlichen Problemen sein, von denen die meisten korrigiert werden können. Allgemein werden die Ursachen der Unfruchtbarkeit in sieben Kategorien gegliedert:
- Maskuliner Faktor [35-40%]
- Ungeklärte Ursache [20-25%]
- Eileiter [15%]
- Ovulationsstörungen [10-15%]
- Altersbezogene Ursachen [10%]
- Endometriose – Endometriosis [10%]
- Gebärmutter und Gebärmutterhals [5%]
Eine häufig anzutreffende Annahme ist, dass Unfruchtbarkeit primär ein weibliches Problem ist. Tatsache ist aber, dass sich bei unerfüllten Kinderwunsch die Ursache zwischen den Geschlechtern fast gleich verteilt. Für weitere 25% der Paare liegt die Ursache des unerfüllten Kinderwunsches überhaupt in mehr als einem gesundheitlichen Problem.
In den letzten Jahren wurde auch altersbezogene Unfruchtbarkeit zu einem viel diskutierten Problem. Frauen und Männer sind im Alter von 24 Jahren am fruchtbarsten. Die Fruchtbarkeit nimmt danach ab und fällt signifikant ab einem Alter von 35 Jahren.
Evaluierung
Eine Evaluierung beginnt mit einer sorgfältigen Krankengeschichte und einer gründlichen Untersuchung, durch welche die Ursache oft identifiziert werden kann. Lebensstil und Umwelteinflüsse können auch Einfluss auf die Fruchtbarkeit nehmen. Koffein, Nikotin und Drogenmissbrauch senken die Fertilität nachgewiesenermaßen. Vor der Schwangerschaft sollten Sie ein paar Regeln beherzigen:
- Verbessern Sie Ihren Umgang mit Stress („Stress-Management“)
- Entwöhnen Sie sich von Nikotin: Rauchen hat einen negativen Einfluss auf die Anzahl der für Fruchtbarkeit benötigte Eizellen und erhöht ausserdem das Risiko einer genetischen Abnormität der Eizellen
- Verzichten Sie völlig auf Alkohol, Koffein und Drogen
- Prüfen Sie alle Medikamente, die Sie nehmen
- Versuchen Sie ein normales Gewicht zu erreichen und beizubehalten (BMI = 20-24)
- Nehmen Sie ausreichend Vitaminpräparate (Folsäure, Vitamin A) – sprechen Sie dies zuvor mit einem Arzt ab
- Bleiben Sie fit; etwa durch gehen, laufen, schwimmen, radfahren etc.
- Essen Sie ausreichend
- Setzen Sie Ihre Routinebesuche beim Gynäkologen fort
- Beraten Sie mit einem Arzt über Infektionskrankheiten, erbliche Krankheiten und (entsprechende) Immunisierung
Behandlung von Infertilität
Die Art der Behandlung hängt von der Ursache der Unfruchtbarkeit ab. Im Zeitalter der Assisted Reproductive Technology (ART oder Künstliche Befruchtung) wird diese Form der Behandlung nicht nur in den USA (seit 1981) und später Europa, Asien und Australien, sondern nun fast weltweit als primäre Hilfe für Paare mit bislang unerfülltem Kinderwunsch angeboten.
Wie funktionert Assisted Reproductive Technology oder Künstliche Befruchtung?
Unter ART werden alle Prozeduren der Spermien- und Eizellenbehandlung, der chirurgischen Spermien- oder Eizellenentnahme sowie der Embryomanipulation und Rückimplantierung in den Mutterleib zusammengefasst. Im Einzelnen sind dies folgende Behandlungen:
IVF – in-vitro fertilization – In-vitro Fertilisation
Eine angemessene Anzahl von Eizellen, etwa 5 bis 12 Stück, wird durch Ultraschall von den Eierstöcken abpunktiert und in der Petrischale im Labor mit Spermien befruchtet. Die Embryonen werden im Labor genährt, einer Prüfung unterzogen und ein oder zwei davon etwa drei bis fünf Tage nach der Befruchtung in die Gebärmutter eingebracht.
ICSI – intracytoplasmic sperm injection – Intrazytoplasmatische Spermieninjektion
Unter Einsatz eines speziellen Stereomikroskops wird ein Spermium direkt in eine Eizelle injiziert. Diese Technik wurde Anfang der 90er entwickelt, um Paaren zu helfen, bei denen der männliche Partner unter Unfruchtbarkeit leidet. Erfolgreich lässt sich ICSI einsetzen, wenn eine der folgenden Ursachen für Infertilität vorliegt:
- Fehlende Spermien auf Grund von blockierten oder abnormalen Samenleitern
- Samenanalyse zeigt starke Abnormität
- Fehlgeschlagene chirurgische Korrektur einer Vasektomie (Vasovasostomie)
- Spermien, die nicht fähig sind, sich an eine Eizelle zu binden bzw. sie zu penetrieren (Fertilisationsfehler)
- Spermien, die bereits in den Hoden durch ein Immunproblem oder Proteine zerstört werden
- Spermien, die vor einer Krebsbehandlung gesammelt und eingefroren wurden und daher in der Quantität und Qualität minderwertig sind
- Fehlgeschlagende Behandlung durch IVF
Chirurgische Spermienentnahme – Surgical sperm retrieval technique
Früher konnten Männer mit fehlenden Spermien in der Samenflüssigkeit (Azoospermie) keine Kinder zeugen. Durch die Entwicklungen in der Technik der Künstlichen Befruchtung konnte dieses Problem nun beseitigt werden. Neue Methoden erlauben eine chirurgische Entnahme der Spermien direkt aus dem männlichen Reproduktionstrakt. PESA (percutaneous epidiymal sperm aspiration) ist ein einfache Methode der Gewinnung von Spermien aus blockierten Nebenhoden (Epididymis). Durch die Punktation der Nebenhoden mit einer feinen Nadel werden die Spermien abgesaugt. Schlägt die Spermiengewinnung durch PESA fehl, kann eine weitere Methode der chirurgischen Spermiengewinnung zum Einsatz kommen: MESA (micro-epididymal sperm aspiration). Während einer MESA-Prozedur öffnet der Arzt das Skrotum (Hodensack) und benutzt ein Operationsmikroskop um kleine Hodenkanläle mit Spermiendurchsatz zu identifizieren. Die Spermien werden danach wie bei der PESA-Methode gewonnen. Im Falle nicht-blockierender Azoospermie (die Hoden produzieren keine Spermien) ist TESE (testicular sperm extraction) eine effektive Alternative zur Gewinnung von Spermien. Nach dem Öffnen der Hodenkapsel untersucht der Spezialist die mikroskopisch kleinen Hodenkanäle unter etwa 20 bis 25-facher Vergrösserung, um ein aktives Spermium zu identifizieren, wobei er die vaskulären Bereiche meidet. Mittels Mikro-Sektion entnimmt der Arzt einen Kanal mit aktiven Spermien. Eine erfolgreiche Empfängnis durch mittels TESE gewonnenen Spermien bedarf einer Kontrolle durch den Arzt, da genetisch bedingte Probleme auftreten können. Besonders im Falle männlichen Nachwuchses. Der Arzt sollte das Paar ausführlich vor Beginn einer Infertilitätsbehandlung durch TESE beraten.
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